Ausschweifungen des Materialismus

Schaut man, wie duldsam und zuvorkommend die Menschen sich gegen die Ausdehnung des Materialismus auf fast alle Gebiete verhalten, muss man die Frage stellen, ob man denn nie etwas Echtes bewirken will. Will man denn immer nur in der geistigen Welt Wirkung tun? Reicht einem das, wenn vor den eigenen Augen der Materialismus alles Denken und Wissen ins Leblose herunter reisst? Wartet man auf einen Heilsbringer, der die Gedanken, die man in sich trägt, besser ausdrücken kann, dem man dann hinterher laufen kann? Warum nicht einfach die eigenen Gedanken an Kritik ausformen? Was verliert man im schlimmsten Fall? Es reicht nicht, etwas zu wollen, ohne entsprechend zu handeln, solches Wollen bewirkt nichts in der Wirklichkeit. Und die geistige Welt ist nicht die letzte Wirklichkeit, jedenfalls nicht die, die für den Menschen zählt. Man muss sich gegen jenes, mit dem man nicht einverstanden ist, erheben, und, nach einiger guter Überlegung, das Wort ergreifen. Und man muss die grossen Denker der Gegenwart, die etwas bewirken könnten, wenn sie sich nicht so sehr vor den Gift speienden Materialisten fürchten würden, aus ihrer warmen, sicheren Höhle locken, sie etwas provozieren, im Geiste kitzeln, damit sie sich zuerst gegen sanfte, dann immer härtere Kritik zu verteidigen lernen.

Wie die alten Griechen in ihrem ausschweifenden Spiritualismus durch den idealistischen Platonismus und den realistischen Aristotelismus gezügelt wurden, so kann man nun versuchen, den Materialismus der Gegenwart mit vergleichbaren Mitteln zu zügeln. Der Spiritualismus hat etwas mehr Vergleichbarkeit mit dem Idealismus als mit dem Realismus, und so machte es damals vielleicht Sinn, den Spiritualismus erst mit dem Idealismus zu beantworten. So versuchen wir gegen den – aus dem Gleichgewicht mit den anderen WA ausgebrochenen – Materialismus zuerst den Realismus zu verwenden, und diesem folgend dann den Idealismus. Es geht nicht darum, den Materialismus zu bekämpfen, sondern mit jenen WA zu antworten, auf deren Gebiet er den grössten Spagat übt (mit dem meisten Zwang sein Dogma zum Funktionieren bringen will).

Diese Webseite wird geschrieben von einem, der sich selber eher als Platoniker sieht, und dadurch wird sich hier nicht alles von den WA abgedeckt finden, das wohl abgedeckt werden sollte, eine gewisse Einseitigkeit zugunsten des Idealismus wird da sein. Pierre Alizé hingegen ist mit seinem feinen Sinn für das Reale eher ein Aristoteliker, so findet sich bei ihm eine Spezialisierung für das Eine (Reale), und eine gewisse Schwäche für das Andere (Ideale). Als Mensch ist man nun einmal nicht ganz abgerundet. Solange man sich mit der eigenen WA auf jenen Gebieten äussert, die selbige betreffen, und bei anderen etwas vorsichtiger ist, kann man sich getrost von anderen Menschen ergänzen lassen. Wo Alizé nicht hinreicht, können dann Platoniker, sich als solche sehende oder wirkliche, versuchen hinzureichen.

Man drängt den sich in fremden Häusern breit machende Materialismus als erstes mit dem Sensualismus zurück. Denn dem strengen Materialismus wird der einfachste Sensualismus eigentlich schon widerstreben. Der Sensualismus sagt nämlich, dass es mit den Sinnen etwas gibt, das eine Stufe über dem absolut Toten, der Materie, liegt. Und der Materialismus muss dies anerkennen, denn die Wahrnehmung über die Sinne kann er nicht abstreiten, da sie existiert, und dies jeden Moment des wachen Lebens selber Beweis ist. Was der strenge Materialismus jedoch abstreiten kann, ist die Wahrheit der Sinnesinformation. Er kann sagen: durch die natürliche Selektion gab es bestimmte Information, welche ein Vorteil war gegen andere Information, und wir nehmen lediglich jenen Teil der Materie wahr, der nützlich ist, nicht aber alles, woraus Materie tatsächlich besteht. So kann der Materialist gegen den Sensualismus argumentieren. 

Jedoch kann er das nicht wirklich sagen. Denn es würde auch all jenes einbeziehen können, das z.B. die geistige Welt betrifft. Wenn die Sinne nicht Wahrheit wiedergäben, sondern nur einen nützlichen Teil davon, so wären die Sinne nicht nur für Materie unvollständig, sondern wohl auch für anderes, wie Ätherkräfte, Triebkräfte usw. Deswegen gesteht der Materialist den fünf Sinnen Wahrheit eher noch ein, da er mit diesem Eingeständnis näher an seinem Materialismus dran ist, als ohne es. Der Sensualismus muss dadurch eigentlich als etwas ‘Wahrheit Wiedergebendes’ angenommen werden.

Nun gehen wir in unserem Argument einen Schritt weiter, und nehmen die Phänomene hinzu. 

Wenn also die Sinne Wahrheit wiedergeben, so haben wir dann Erscheinungen vor uns, welche wahr sind. Nehmen wir z.B. einen Sonnenuntergang, als Beispiel einer Erscheinung. Betrachten wir einen Sonnenuntergang, so kommen in uns gewisse Gefühle auf. Vielleicht steht man mit salzigen Haaren und sandigen Badehosen in ein Badetuch umwickelt an einem Meeresstrand, die Umgebung ist bereits in der Dämmerung versunken, so auch das nun fast schwarze Meer, mit seinem fortwährenden, ruhigen, brausenden Wellengang. Es ist ein bestimmtes Gefühl, das in einem aufkommt, und jeder Mensch kann es erleben. Man kann es ein Klischee nennen, aber man nennt es nur ein Klischee, weil es eben immer wieder, fast universell, vorkommt. Dieses bestimmte Gefühl, das man hat, wenn man zusammen mit anderen da beobachtet, wie diese gewaltige goldene Kugel langsam vom Meer, oder vom Hügel, oder was auch immer, unter einem rötlich eingefärbten Himmel, verschluckt wird, dieses Gefühl hat etwas Archaisches, das wohl ein jeder nachvollziehen kann. 

Auch hier gilt die Frage: ist es wahr, oder ist es etwas anderes, z.B. etwas Nützliches? Ist es nützlich, so wäre es wohl nützlich aus sozialen Gründen, welche auch immer das sein mögen. Haben wir das Erlebnis, so haben wir mehr, als nur einen einfachen Körpersinn, wir haben etwas, das sich wie eine Kombination aus Sinnen zusammen setzt. Da ist vielleicht noch etwas, das, in materialistischer Sprache, in unsere Gene eingeschrieben ist, das all unsere Vorfahren erlebten, und etwas damit verbanden, das auch wir Menschen der Gegenwart, trotz unserem alles überschreibenden Verstandesdenken, trotz all dieser Klugheit, noch immer nachvollziehen können. 

Hier kann der Materialismus nun argumentieren: dass die Sinne Wahrheit wiedergeben ist ja noch eines, aber welche Bedeutung soll eine Wahrheit von Phänomenen haben? Das ist nicht Wahrheit, das ist Subjektivität, und etwas, das lediglich ein bisschen feiner, zierlicher ausgeartet ist, als tierische Instinkte. Es ist der Grund, warum wir Musik hören, Drogen nehmen, Extremsport machen. Das ist nicht Wahrheit, es sind die Instinkte eines etwas grösseren Gehirns. So kann aus dem Materialismus in kraftvoller Weise gegen den Phänomenalismus argumentiert werden. 

Aber auch hier ist es nicht wirklich im Sinne des Materialismus, diese vom Materialismus verschiedene WA, den Phänomenalismus nun, einfach so zu verwerfen. Man kann hier zwar nicht mehr in der gleichen Weise von einem Ungültigen zu einem weniger gewollten Ungültigen auf einen etwas faulen Kompromiss schliessen, dennoch ändert das Vorhandensein, oder Unvorhandensein, von Instinkten nichts an den Phänomenen. Ob die Empfindung wahr ist oder nicht, ist die Frage, nicht wovon man sie ableiten kann. Geschieht mit dem Phänomen da draussen etwas, das eine Reaktion im Menschen begründet, oder hat man nur Gehirnchemie, die anhand der Vorgaben der Gene irgendwelcher Programmierung folgt? Ob die Empfindung vollständig ist, das heisst, ob sie wirklich dem Phänomen vor einem entspricht, oder nur nach den Gesetzen evolutionärer Gehirnwindungen sich einem als ein (nützlicher) Ausschnitt des Wirklichen zeigt, wäre wieder im gleichen Takt des vorigen Arguments, das gegen den Sensualismus gewendet wurde. Und im gleichen Takt ist dann auch die Antwort: ist das Phänomen nicht wahr, so kann es in beide Richtungen mehr geben, und es ist, auch hier, nichts bewiesen noch widerlegt. Ist das Phänomen aber doch ein Ausdruck von Wahrheit, so soll das gelten und wir gehen nun weiter zum Realismus. 

Viel weiter als bis zum Realismus werden wir in dieser Argumentationsfolge jedoch nicht gehen können, denn ab da gehen die WA zu sehr ineinander über, und sie sind zu durchlässig, um noch effektiv gegen die Härte des Materialismus zu argumentieren. 

Beim Realismus haben wir nun eine WA, welcher neben der Natur alles Tätige, alles Geschaffene, alles Kommunizierende Ausdruck von Wahrheit ist. Wahr ist im Realismus nicht nur die Physis eines Gegenstandes, sondern auch der Zweck dahinter. Und mit der Wahrheit des Zwecks ist nicht nur die Begründung der Physis des Gegenstandes gemeint, sondern tatsächlich das Sein des Gegenstandes. Der Gegenstand ist gleichsam die Physis, wie auch der Nutzen. Sein Sein ist beim Realismus also zweierlei, nicht nur Physis, und mehr als nur eine Idee vom Zweck, er ist Anwendung, etwas die Welt Formendes, sich auch Wandelndes.

Es ist dem Materialismus nicht so einfach, sich der Sicht des Realismus zu erwehren, obwohl er eigentlich weiter vom Materialismus entfernt ist, als die beiden vorangehenden. Der Materialismus hat den grösseren Streit mit seinen nächsten Nachbarn, alles weiter Entfernte vermeint er immer weniger ernst nehmen zu müssen. Der Realismus ist der schmerzlose(ste) Weg, um den Materialismus zur Besinnung kommen zu lassen, da findet sich weder konkurrierende Nachbarschaft, noch weltverneindende Opposition. Und so muss man hier auch nicht gross über wahr oder unwahr argumentieren. Nur noch das Verständnis zum Realismus aus der Sicht der WA sollte verständlich dargelegt werden. 

Das Dasein des Zwecks eines Gegenstandes, z.B. eines Werkzeugs, lässt sich nicht abstreiten. Ob dieser Zweck etwas ist, das über Materie, Sinnesempfindungen und Erlebnisse hinaus geht, das sich zur Hälfte aus etwas bildet, das sowohl aus der Physis wie auch dem Geistigen entspringt, das ist vielleicht nicht gerade, was man sich im ersten Moment unter dem Zweck eines Gegenstandes fragen mag. Dennoch ist es das, was in den WA unter Realismus verstanden wird: der Realismus ist das Zwischending zwischen toter Materie und lebendigem Geist. Deswegen ist der Realismus auf dem Schema der WA genau zwischen dem Materialismus und dem Spiritualismus platziert. 

Vielleicht hilft solches Vorgehen als ungefähren roten Faden für die Aristoteliker (Realismus), im Argument gegen den überbordenden Materialismus, vielleicht ist es auch nur ein weiterer Tropf auf einen heissen Stein. Alleine darüber nachzudenken soll hier als Begründung für einen solchen Text jedoch als wertvoll genug gelten. Später können Platoniker (Idealismus) dazu kommen, und das Argument des Realismus für ihre Zwecke als Grundlage gebrauchen. Das ist die Reihenfolge gegen den Materialismus. Gegen den übertreibenden Spiritualismus käme, wie gesagt, zuerst Idealismus, dann Realismus, der bekannten Reihenfolge nach.

Das Unbeweisbare am Materialismus

Spiritualisten (Menschen, welche u.a. an geistige Naturwesen in allen Dingen glauben) und Pneumatisten (Menschen, welche an Gott oder Götter glauben) haben seit der Gnosis wiederholt versucht, einen Gottesbeweis zu erstellen. Dies ist jedoch stets ein Unterfangen gewesen, das etwas Unsinniges mit sich trug, nämlich deswegen, weil der einzige um das Argument abzuschliessende notwendige, ultimative Beweis Gottes der Materie nicht bewiesen werden kann. Wenn nämlich das Geistige dem Materialisten durch materialistische oder spiritualistische Methodik bewiesen werden könnte, wären Spiritualismus und Materialismus nicht nur keine WA-Oppositionen, sie wären nicht einmal unterschiedlich. Materialistische Methodik kann nur Materie (und nichts anderes, nicht einmal dem Materialismus Ähnliches) beweisen, und spiritualistische Methodik kann entsprechend nur Geist ‘beweisen’ (im Falle des Spiritualismus wäre es eher ein ‘Begründen’ oder ein ‘Erschliessen’).

Das ist eines der grossen Verständigungsprobleme der zwölf WA, dass nämlich die Methoden jeweiliger WA nur das Eigene wirklich aufzeigen können. Eine Methode, die alles berücksichtigt, ist keine Methode mehr, es ist ein lauwarmes Philosophieren, das weder ordentlich fragen noch sauber antworten kann.

Der Materialismus hat sich zurecht über die Gottesbeweise lustig gemacht. An ihnen war kaum etwas Beweisendes. Es waren diese Beweisversuche wenig mehr, als die Reaktion auf eine zum Naturalismus strebende Menschheit. Es entstand durch einen inneren Zweifel der aufkam, und den man nicht wahrhaben und akzeptieren wollte. Der Beweis wurde in den Augen der Pneumatisten nötig, gerade weil Gott sich nicht mehr finden liess, gerade weil er eben nicht mehr im Fühlen eines jeden Menschen drinnen spürbar, selbstevident war. So musste Gott, der nie bewiesen werden musste, auf einmal bewiesen werden.

So berechtigt es auch gewesen sein mag, sich über die Gottesbeweise lustig zu machen, so wenig ist jedoch der Materialismus selber auf der sicheren Seite. Denn der Materialismus behauptet mit der wissenschaftlichen Alleingültigkeit von Materie etwas, das dem Beweisen Gottes durch die dem Geistigen zugewandten WA entspricht. Was das genau das ist, das der Materialismus durch den Anspruch an Alleingültigkeit auch noch behaupten muss, wollen wir im Folgenden kurz berühren.

Wenn der Materialismus jenem Denken, das von sich behauptet ohne die Beweiskraft der Materie ein Wissen erreichen zu können, jede Möglichkeit, ein gutes Wissen zu erreichen, abspricht, so behauptet der Materialismus unbeabsichtigt mindestens zwei weitere Dinge. Er behauptet erstens, dass das Wissen in der Materie liege, nicht im Denken.

Denkt man einmal darüber nach, so wird man wohl finden, wie absurd eine solche Annahme ist, da das Wissen vom Menschen ausgeht, und mit diesem verknüpft ist. Versucht man Materie zu verstehen, so muss man denken. Ist das Denken nicht erlaubt, so kann auch kaum etwas verstanden werden, Experimente können weder erstellt noch interpretiert werden. Ist das Wissen in der Materie vergraben, bis es gefunden wird, so ist es ein okkultistisches Wissen. Das materialistische Argument der materialistischen Allgemeingültigkeit ist hier in einem ersten Widerspruch. So wird der Materialismus zwangsläufig sagen müssen, dass ein gewisses Denken zwar notwendig sei, dass aber zumindest das Wissen nicht alleine aus dem Denken entspringen dürfe: es müsse eine Grundlage in der Materie haben, um eine erste Gewissheit (einen ‘Gnostizismus‘) zu haben, auf der man andere Dinge aufbauen kann. Jedoch ist auch dieses Argument etwas, das auf einem Irrtum basiert, denn das Denken lässt sich nicht durch eine künstliche Grenzziehung zwischen der Gültigkeit der Materie und der schieren Endlosigkeit des Denkens bestimmen, und es wird vom Materialismus ohnehin nirgendwo eine solche Grenze zwischen Materie und Gedanken definiert (die gegenüber der Erfahrung des Gedankens Sinn macht). Jede erste Gewissheit wird durch ein Urteil des Denkens eine solche sein, nicht weil die Materie dies impliziert. Das Denken ist der Anfang und das Ende allen Wissens, Materie kann durch das Experiment etwas bestätigen oder hinterfragen, aber aus der Materie selber wird nie eine Grundlage kommen (weil die Materie selber nicht denken oder sonst in jeglichster Weise irgendwie bewusst sein oder bewusst wirken kann). Was will der Materialismus nun? Okkultismus (Verborgenheit) in den Tiefen der Materie vergraben, oder Gnostizismus (Gewissheit) als Grundlage? Oder vielleicht beides? Sie müssen sich nicht ausschliessen.

Kurz: der Materialist gebraucht mit seinem Denken eine nichtmaterialistische Methode, wobei dasselbe Denken aus den materialistischen Untersuchungen ausgeschlossen wird. Dadurch widerspricht die Methode in gewissem Sinne sich selbst.

Der Glaube an die Beweiskraft der Materie, anstatt an die ‘denkerische Interpretation der Beobachtung‘ der Materie (was die moderne materialistische Naturwissenschaft in Wirklichkeit ist), hat den Materialismus über die letzten Jahrhunderte für die stärker im Moment lebenden, weniger das Ganze betrachtenden Forscher, zu einer alternativlosen Richtschnur werden lassen, oder ist daran, zu einer solchen zu werden. Man kann wohl problemlos ersteres behaupten. Den Materialisten ist ihre eigene Methodik mehr und mehr so sehr eine Selbstverständlichkeit, dass der modernen Naturwissenschaft jeglichste andere, z.B. eine auf das Denken gerichtete Methode, wie all jene der grossen Idealisten, eine Absurdität sein muss. Sich heute schon nur gegen eine spekulative naturwissenschaftliche Annahme zu stellen, nimmt sich in ihren Augen aus wie ein chaotischer Ausbruch aus dem Anerkannten, heute nicht mehr kirchlich-religiösen, sondern naturalistisch-naturwissenschaftlichen Felde – als eine Irrlehre gegen das Gute, Etablierte.

Das ist also das erste Problem des Materialismus mit dem Denken, dass es für die Rolle die es einnimmt, denkende Menschen benötigt wenn an der Materie geforscht wird, weil die Materie selber nicht denken, sprechen, und sich folglich auch nicht erklären kann. Das zweite Problem nun ist die Natur des Denkens des Individuums selber. Es gibt keine materialistische Evidenz oder Grundlage für diesen Hauptoperator aller Naturwissenschaft. Die Ein- und Ausgabe von Information ist nicht Denken. Das Denken ist nicht der Prozess eines komplexeren Computers, es ist sehr viel mehr, besonders wenn es im Gleichgewicht mit dem Fühlen und dem Wollen ist. Die Eindrücke die man hat, sind nicht reine Informationsstücke, es sind Erlebnisse, und das Denken bildet sich um solche Erlebnisse herum. Jeder Mensch empfindet diese Dinge – manche in eher grober Weise, andere sehr feinfühlig – aber wie feingliedrig auch immer die Form sein mag, das Gefühl ist stets vorhanden, auch wenn es den Gedanken nicht steuern muss. Ohne das Vorhandensein des Gefühls hat das Denken keine Richtung – dies ist die wahre Richtschnur des Denkens. Manche Materialisten werden es vor allem als ein Gefühl von Skepsis kennen, es ändert dies nichts an der Tatsache, dass noch immer genau jenes gemeint ist. Dieses Erleben, die Wirklichkeit der parallel zum Denken vorhandenen Gefühle, und die Urteile die sich daraus bilden, kann man verleugnen und innerlich unterdrücken, aber sie existieren trotzdem, egal wie analytisch man sich geben mag. Wer dies abstreitet, macht sich selber etwas vor, oder hat den Satz nicht verstanden. Diese Komponente des Denkens ist nicht eine weitere Variabel in einem Computersystem, sondern eine Kategorie, welche sich von der reinen, ich sage mal ‘kalten’, Information in deutlicher Weise unterscheidet. Und es ist eine Komponente, die man aus dem Bilden von Urteilen nicht wegdenken kann, und das gibt ihr grosse Wichtigkeit – im Denken generell, aber auch in jeder Naturwissenschaft. Wer das Fühlen nun der Emotion gleichsetzt, die sich auch bei Tieren findet, und diese wiederum auf chemische Prozesse im Gehirn schliesst, macht künstliche Unterscheidungen, die den Feinheiten der, in jeder Situation wieder anders erlebbaren, Erlebnisse, nicht gerecht werden.

Das über den Informationskonsum hinaus gehende Denken kann der Materialismus aus der Materie heraus aus diesen Gründen nie beweisen.

Das allerletzte, was die Naturwissenschaft wohl sein möchte, ist, weltfremd zu sein. Wenn sie jedoch die Natur eines jeden Wissenschaftlers zurück stellt, um einem einseitig definierten Traum von Objektivität nachzukommen, ist sie menschenfremd. Und weil der Mensch ein Teil der Welt ist, ist die Naturwissenschaft dadurch dennoch indirekt weltfremd: sie sieht die Welt als eine Maschinerie mit viel Komplexität, die man in kleine Einzelteile zerlegen muss, um die Komplexität bewältigen zu können. Was ihr dann dadurch abgeht, ist die wahre Natur der Dinge, die keine Maschinerie darstellt, sondern etwas natürlich Belebtes. Es ist nicht das Reale, das die materialistische Naturwissenschaft dadurch untersucht, es ist eine tote, mechanische Version davon, und die Schlüsse daraus sind so falsch, wie sich die Natur von diesem mechanischen Bild unterscheidet. Dadurch kann man ihre Ergebnisse nicht wirklich als ein Wissen bezeichnen, sondern muss sie eher als Abglanz des Realen sehen, als etwas, das sein nützlichstes Mittel (das Denken seiner Forscher) beweisen müsste, das durch seine Methode solche Beweise jedoch von Grund auf nie erbringen kann, ohne sich selbst aufzugeben.

Die letzte Verteidigung des Materialisten werden die technologischen Ergebnisse der Gegenwart sein. Technologie ist jedoch ungleich der Natur, und erstere bedingt keiner Wahrheit über letztere. Wenn es um das Wissen geht, so hält obiges Argument, wenn es um Technologie geht, so braucht man sich von vornherein keine grösseren Fragen zu stellen, weil dort scheinbar ohnehin nur die Selbstevidenz der Prozesse zu zählen scheint, und nicht die Selbstständigkeit des Denkens.

Gutes Bauen

Arbeitet man auf dem Bau, so fällt einem nach einer gewissen Zeit auf, wie sich die modernen Häuser von den alten Gemäuern unterscheiden. Etwas, das mir z.B. beim Bohren von Durchbrüchen immer wieder auffällt, ist die unterschiedliche Dicke der Wände. Wir haben in der Firma dafür extra sogenannte ‘Kirchenbohrer’, das sind Spiralbohrer von 22 oder 28mm mit einem speziellen Stahl am vordersten Ende, der durch den Schlag der Maschine den ersten Kontakt mit dem Bauelement macht. Solche Bohrer können so lange sein wie ein Mensch, man braucht sie für die manchmal enorm dicken Kirchenwände oder sonstige Altbauten.

Moderne Gebäude haben, selbst wenn sie sehr hoch sind, erstaunlich dünne Wände. Dies ist dadurch möglich, dass der Beton durch Armierungseisen verstärkt wird. Legt man im Neubau ein, so werden vor dem Giessen des Betons auf den Boden und in die Wandverschalungen die Eisen verlegt, die dem Beton zusätzlichen Halt geben, wodurch die Wände und Böden nicht mehr so dick sein müssen. Weiter können Böden/Decken viel einfacher flach gebaut werden, anstatt mit Bögen oder sonstigen Erhöhungen zur Mitte hin, um mehr vom Gewicht an die Wände abgeben zu können. Bei älteren Bauten musste jede Wand und jeder Boden etwas dicker sein, als jene oder jener darüber. Heute giesst man nur noch das Fundament, also die unterste Ebene, ordentlich dick, damit der natürliche Boden darunter nicht durch eine schwächere Stelle nachgeben kann, und der Rest oben drüber wird so dünn wie möglich gebaut. Und bei Hochhäusern stellt man gewaltige Stahlträger auf, die den Zug auf den Beton zum Teil auf sich nehmen.

Das Problem mit dem Eisen ist, dass es rostet. Meistens ist es schon komplett korrodiert, während es vor dem Giessen des Beton gelegt oder gestellt wird, besonders wenn es am regnen ist, wodurch man abends komplett orangene Hände und Unterarme hat. Und dieser Rost zerfrisst innen drin den Beton, und schwächt ihn auf längere Zeit. Beton gibt immerzu etwas Feuchtigkeit ab, bis zur absoluten Verhärtung, und diese Feuchtigkeit wird durch Armierungseisen nicht zur Oberfläche abgegeben, sondern auch nach innen, zum Eisen hin, wo es zu einer chemischen Reaktion kommt, zum Rost, und dieser Rost, anders als Wasser, kann auch wieder mit dem Beton reagieren. Speziell im Tiefbau, wo im Winter manchmal Salz gestreut wird, reagieren die oftmals unbeschichteten Eisen sehr gerne, und der Beton hat keine Chance länger zu überleben. Deswegen sieht man Maurer immer wieder z.B. bei Brücken und anderen tragenden Führungen, gegossene Randsteine aufspitzen, um unbeschichtete, reagierende Eisen durch beschichtete auszuwechseln, oder zumindest eine Beschichtung an den schlimmsten Stellen anzufügen.

Verbaut man nur Beton, ohne Eisen, so kann man so bauen, wie es die alten Römer getan haben. Sie mussten sehr grosse Mengen an Material aufwenden, um die notwendige Statik zu erreichen, aber ihre Bauten halten dafür teilweise bis heute. Der Beton wird durch sein Alter immer härter, selbst wenn er stets von Nässe umgeben ist. So wird ihm mit der Zeit jede kleinste Erschütterung zur Gefahr, ob der er Risse entwickeln kann. Aber auch die unterschiedlichen Temperaturen verschiedener Jahreszeiten bringen ihn dazu, sich ein kleines bisschen auszudehnen und zusammenzuziehen, und auch solche Bewegungen führen zu Problemen wie Rissen, die mit dem Alter mit zunehmender Verhärtung, nur zunehmen. Da Eisen verbaut wird, nimmt die Lebenszeit moderner Bauten im Vergleich zu älteren stark ab, allerdings fällt es mir schwer, Studien zu finden, welche Aussagen darüber machen können, welches Alter man von mit Armierungseisen bewehrtem Beton ungefähr erwarten kann. Ich schätze, dass es nicht viel mehr als hundert Jahre sein kann, bis der Beton sich stückweise an dünneren Stellen bei Decken vom Eisen zu lösen beginnt. Dort wo der Abstand von Eisen zu Oberfläche besonders gering ist, wird die Schwerkraft bei zunehmender Korrosion schneller wirken, den Beton abblättern lassen, und dadurch die Armierung freilegen.

Das Ziel, möglichst effizient zu bauen, hat die Anforderungen an das Baumaterial sehr gesteigert. Am liebsten würde man nur noch dünnste Wände stellen, die alles halten und isolieren können. So mussten Materialwissenschaftler Materialien entwickeln, welche aggressiv genug waren, um solchen Anforderungen zu genügen, ein solches Material ist z.B. der Asbest, der bis heute vielen Bauherren im Umbau Probleme macht, weil er gesetzlich speziell entsorgt werden muss. Da man jedoch weiterhin Platz und Material sparen möchte, werden auch in Zukunft mit problematischen Kompromissen verbundene Materialien erfunden und verbaut werden müssen – der krebserregende Asbest war jedoch ein Weckruf an die meisten Bauingenieure, dass in der Auswahl von Materialien versteckte Risiken sein können, und zäher nicht immer gleich besser ist.

Es würde mich sehr interessieren, was Freimaurer zu solchen Bauproblemen denken. Sie studieren älteste Baugeschichte, und bewahren, sonst lange vergessenes, Ingenieurswissen auf. Würden sie unten einfach wieder breiter bauen, um nachhaltiger zu sein, oder gäbe es andere Lösungen, um modernen Ansprüchen entsprechen zu können?

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